Salz und Pfeffer für die Ehe

Salz und Pfeffer für die Ehe

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Liebe…, lieber…., liebe Gäste,

es gibt einen ganz alten Brauch: Den Brautleuten wird beim Überschreiten der Türschwelle zu ihrer neuen Wohnung Brot und Salz gereicht. Ihr habt keine neue Wohnung, also bekommt ihr diese beiden Dinge – verpackt in ein paar Gedanken – schon jetzt von mir.

Fangen wir mit dem Salz an. Ich habe hier einen Salzstreuer. Es ist zwar ein männlicher, was aber nicht heißen soll, dass nur der Mann das Salz in der Ehesuppe ist. Salz war von jeher ein Sinnbild für Dauerhaftigkeit und Unverweslichkeit. Deshalb wurden früher Eheschließungen, Freundschaften und Verträge beim gemeinsamen Genuss von Brot und Salz besiegelt. Noch heute gilt z.B. bei den Arabern ein Schwur beim Salz als heilig. So sollen Brot und Salz, dass ich euch nachher übergeben werde, euren heiligen Bund besiegeln. Ich darf aber diese beiden Zeichen für euch noch ganz anders deuten.

Das Brot hier ist süß. Heute ist ja für euch eine hohe Zeit, eure Hochzeit. Da schmeckt alles gut und zuckersüß.Ihr beide bekommt von mir die Aufgabe, dieses kleine Brot zu essen, indem ihr es miteinander teilt. Aber schauen wir noch ein bisschen genauer hin. Wie viele Verwandlungen hat es bereits hinter sich. Zuerst musste das Weizenkorn „sterben“, d.h. sich verwandeln, um in der Ähre neu aufzuerstehen. Dann verwandelten sich die Körner in der Mühle zu Mehl und das Mehl wurde in der Hitze des Ofens schließlich zu Brot. Und wenn ihr es später esst, dann verwandelt es sich nochmals, nämlich in Fleisch und Blut eures Leibes.

Liebes Brautpaar, die Verwandlungen, die das Brot durchmacht, warten auch auf euch, wenn ihr in eurer Ehe wachsen und reifen wollt. Nicht nur eure Physis wird sich verwandeln, so dass ihr alle sieben Jahre aus komplett neuen Zellen besteht. Auch euer gemeinsames Miteinander wird Verwandlungen unterworfen sein, alles, was geschieht, bewirkt Veränderung: das hat schon bei eurem Kennenlernen angefangen, das wird sich fortsetzen in den schönen Zeiten voller Freude, im Geschenk neuen Lebens in gemeinsamen Kindern, vielleicht in beruflichem Erfolg oder wie auch immer. Auch schwere Zeiten werdet ihr hin und wieder erleben: Stress, Ärger und Schicksalsschläge wird es geben.

Diese Verwandlungen brauchen euch aber keine Angst zu machen, denn sie gehören zu jedem menschlichen Leben und auch zu jeder Beziehung. Nach einer Zeit des Probelaufes wisst ihr, so glaube ich, wie es gelingen kann: Wenn ihr in jedem Ereignis eures gemeinsamen Lebens eine Verwandlung erspürt, dann werdet ihr eine jede, egal wie sie aussieht, bewältigen. So, wie sich das Korn verwandelt in Brot, so wird sich auch eure Beziehung wandeln.

Genug vom Brot, kommen wir zum Salz:

Dieser Salzstreuer soll euch in eurer Ehe begleiten und euch an eure Hochzeit erinnern.

Salz bringt Eis zum Schmelzen. Es gibt heutzutage soviel tödliche Kälte zwischen Eheleuten. Wenn es bei euch einmal so ist, dann denkt an den Salzstreuer, erinnert euch an euer Liebesversprechen, sprecht miteinander, seid wie das Salz der Erde, löst die Kälte auf, befreit euch vom Eis des Schweigens und vergebt einander.

Salz gibt den richtigen Geschmack. Was wäre eine Suppe oder die Pommes ohne Salz? Genau so ist es mit eurer Ehe. Eure Kreativität und Sensibilität für den anderen ist gefordert, damit euer Miteinander nicht irgendwann einen schalen Geschmack bekommt. Ab und zu eine Prise Freude oder ein paar Überraschungen hier und dort, eine Messerspitze voll Spannung und ihr werdet merken, dass ihr nicht so schnell den Geschmack aneinander verliert.

Salz trägt. Wenn ihr vielleicht schon mal am Toten Meer wart, dann wisst ihr, dass es bei einem Salzgehalt von 23 Prozent jeden Menschen auch ohne Schwimmbewegungen an der Oberfläche hält, so dass man in Ruhe Zeitung lesen kann. Christus sagt: „Ihr seid das Salz der Erde“, dann meint er: Gebt nicht nur einander Halt, sondern auch denen, die unterzugehen drohen, die allein mit ihren Problemen nicht fertig werden. Für euch ist also nicht traute Zweisamkeit angesagt, denn  vor dem Traualtar habt ihr gelobt, als christliche Eheleute eure Aufgaben auch in der Kirche und der Welt zu erfüllen, und versprochen, über die kleine Zelle eurer neugegründeten Familie hinauszuwirken.

Ein paar Gedanken zum Brot und Salz. Seid offen für Verwandlungen, lasst euch immer wieder stärken mit dem Brot des Lebens, bringt das Eis, das um so manches Herz liegt zum Schmelzen und gebt eurem Miteinander immer wieder die richtige Würze. Liebe…, lieber…, in der Lovestory, einem der berühmtesten Liebesfilme der Filmgeschichte, fällt einmal der Satz: Lieben heißt, niemals um Verzeihung bitten zu müssen. Ich glaube, in diesem Satz steckt viel Weisheit. Lasst euch also niemals vom Weg der Liebe abbringen, dann wird es ein guter Weg sein, der für andere ein Beispiel ist.

Zum Salzstreuer ist noch zu sagen, dass er natürlich nicht allein bleiben soll. Ich habe natürlich auch das Gegenstück mitgebracht, das ihr auch bekommt. Der Mann mag ja das Salz in der Ehesuppe sein, aber für den richtigen Pepp sorgt meistens die Frau. Deshalb der Pfefferstreuer in Frauengestalt.